Nasenmäuse tanzen im Wald der Tabakbätter
06.05.1993 
Antje Vogel stellt in der Tuckesburg aus


Die Nasenmaus, der Kopfsteher und der Grasfisch haben etwas gemeinsam: Sie alle sind in der Galerie Steinrötter zu sehen. Dort zeigt die bekannte münsterische Kinderbuch-Illustratorin Antje Vogel (Steinrötter) Aquarelle und Entwürfe, die sie in den letzten Jahren gemalt hat.

Nicht nur die kleinen Besucher zeigten sich bei der Ausstellungseröffnung von den farbenfrohen Mensch- und Tiergestalten an den Wänden begeistert. Auch die erwachsenen Gäste ließen sich von den Phantasiewesen, die in einem Wald von Tabakblättern tanzen oder fliegen, verzaubern.

„Die Ausstellung zeigt keine Illustrationen, dennoch könnte man sich vorstellen, daß die Bilder Erzähltes veranschaulichen“, sagte Frantz Wittkamp nach der Begrüßung duch Antje Vogels Ehemann Claus Steinrötter. Wittkamp, Malerdichter aus Lüdinghausen, hob in seiner Laudation besonders die Überraschung hervor, die sich beim Betrachten jedes Werkes einstelle. „Die Figuren Antje Vogels sind Wunschbilder jedes Betrachters, Reliquien des heiligen Krimskrams“, beschrieb er die abgebildeten Besenbäume, golfspielende Bären und australische Hunde.

Die Ausstellung in der Tuckesburg (Hüfferstr. 18a) ist noch bis Januar zu sehen. Geöffnet ist die Galerie Steinrötter montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und von 14.30 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr. Zur Ausstellung ist außerdem eine nummerierte und signierte Serigraphie entstanden.
(dfu)


Frecher Fisch, bissiger Hund: Strolche im Knusperhäuschen

Antje Vogel Entwürfe für groß und klein in Münster 

von Kirsten Meyer 

Münster - Weshalb trägt eine Maus eine Pappnase, stolziert ein Fisch durchs Gras, während Mickymaus sardonisch feixt und ein Bär durch die Lüfte fliegt? 

Die Antwort ist leicht: Antje Vogel, Künstlerin und Gattin des Galeristen Claus Steinrötter, stellt bis zum 31.Januar ihre Aquarelle und Entwürfe aus. Rund vierzig märchenhafte, aber nicht märchenbezogene Exponate sind in freier Themenwahl entstanden und zeigen hauptsächlich Tiere. Wo könnten solche „tierische“ Bilder besser wirken als auf dem alten Zoogelände? Um genau zu sein, im Knusperhäuschen, pardon, der Tuckesburg.

Zart und verspielt ist der Stil der Künstlerin, die immer mit einem Pinsel, nie mit der Zeichenfeder arbeitet. Farbenfroh und detailverliebt sind die Zeichnungen, die Erwachsenen und Kindern gleichermaßen Spaß machen. Was den „australischen Hund“ oder den „Fisch im Gras“ jedoch auszeichnet, ist seine Mimik. Die ist nämlich ganz und gar nicht lieb und märchenhaft.

Wer weiß, was den Figuren wohl gerade durch den Kopf geht? Einige gucken grimmig, andere lächeln maliziös, manche Strolche scheinen einen grandiosen Streich ausgeheckt zu haben, Süßholzraspler finden sich nicht unter ihnen, eher kunterbunte Zyniker. Antje Vogels Zeichnungen haben ihre kindlichen Unschuld schon lange verloren. Sie beschreiten gekonnt den schmalen Grat zwischen Märchenmotiv und Karikatur.

Die Künstlerin, die nebenbei Holzspielzeuge für eine Südtiroler Firman entwirft, kann aber auch ganz anders. So sinniert sie mit sanfter Ironie über den herkunftsort den Weihnachtsmannes. Und der wohnt ja, wie wir alle wissen, am Nordpol und nicht in Südtirol. Also muß er logischerweise ein „Weihnachtspinguin“ sein.

Na dann - wünschen Buon Natale gehabt zu haben!

 

Ein münsteraner Hase malte die Kölner Heinzelmännchen
18.12.1983
Th. Münster

In einem Schaukasten auf der Fensterbank drängeln sich die Hsen aus Plüsch und Porzellan, aus Gips, Plastik und Karton, aus Papier geschnitten und aus Teig geformt.

„Ich bin ein Hase“, sagt Antje Vogel - die zarte kleine Frau ist Jahrgang 39 und also nach dem chinesischen Horoskop im Zeichen des sanften, aber flinken Langohrs geboren.

Die gläserne Vitrine mit dem skurrilen Inhalt steht direkt neben ihrem Schreibtisch unter der Dachschräge eine aus grobem Naturstein gebauten, spitzgiebeligen Hauses mit rundem Turm. Hier, in einer mit Spielzeug, alten Karusselpferden, Antiquitäten, Bauernmöbeln, Strohblumen, modernen Graphiken, Puppen und Donald-Duck Marionetten vollgestopften übervollen Wohnung, entstanden in den letzten Jahren neun (bis nach Japan verkaufte) Kinderbücher, gezeichnet und teilweise auch getextet von Antje Vogel: das neueste: „Die Heinzelmänchen von Köln“ (Coppenrath Verlag Münster, 20 Mark); es ist ein schönes Buch geworden, für große und kleine Kinder, hübsch verpackt in buntes Leinen - ein Geheimtip noch für Weihnachten. Für Insider: Kölns Oberstadtdirektor Kurt Rossa (Bild 9) und Kölns Talkmaster Alfred Biolek (Bild 19) agieren als Heinzelmänchen...

Eigentlich hatte Antje Vogel Ballettänzerin werden wollen, doch der Vater, Ausstattungsleiter an NRW-Theatern, sorgte für einen „soliden Beruf“. So wurde die Tochter Präparatorin beim Landesmuseum in Münster, richtete später Museen und Ausstellungen in NRW ein - und stand abends auf der Bühne, als Tänzerin, auch schon mal in einer Sprechrolle.

So nebenbei entdeckte sie ihr schon vom Vater gefördertes Zeichen- und Maltalent neu - und heiratete den einzigen Galeristen der ihre Begabung erkannte und sie ausstellte.

Antje Vogel über ihre erste Begegnung: „Er hatte eine tolle Kaffeemaschine im Hinterzimmer.“

Als Sohn Kolja geboren wurde, gab Antje Vogel alle Arbeit auf und begann eine neue: Sie machte Kinderbücher. Vorher aber hat sie ihren Sohn „ein ganzes Jahr nur angeschaut und gestaunt“.

Artikel zu einer Ausstellung von Antje Vogel
Von Ursula Hecker 

„Einer beim Theater genügt!“ hatte ihr Vater gesagt, als Antje Vogel kundtat, sie wolle Schauspielerin werden. Carl Wilhelm Vogel, über 15 Jahre Bühnenbildner beim münsterschen Theater, konnte allerdings nicht verhindern, daß die Tochter mit dem von ihm ererbten Talent zum Malen und Zeichnen nicht hinter dem Berg hielt. „Ich habe schon als Kind wie eine Verrückte gemalt“, sagt sie. 

Natürlich war der Vater ihr erster Kritiker, und zwar ein so unbarmherziger, daß Antje Vogel eines Tages Pinsel und Zeichenstift aus der Hand legte. Erst vor einigen Jahren fing sie wieder an. Ihr Vater ermutigte sie: Die neuen Arbeiten zeigten unverkennbar, daß die Tochter begabt ist.

Inzwischen gibt es kaum einen Münsteraner, der nicht schon Arbeiten von ihr gesehen hat. Antje Vogel arbeitet nämlich mit besonderem Engagement für die Werbung der Städtischen Bühnen. Ihre Plakate für einzelne Aufführungen und für die Abonnentenwerbung sind ein ebenso originelles wie wirkungsvolles Aushängeschild für das Theater. Ihr neuestes Plakat zeigt einen Mann, genauer gesagt: einen Abonnenten, der im Laufschritt zum Theater eilt. Für weitere Plakate dieser Serie wird ein lustiger Einfall Antje Vogel realisiert. Dann sollen nämlich auch Frau und Kinder des eiligen Abonnenten mitlaufen.

In der Galerie Steinrötter an der Bergstraße sind neben Antiquitäten und originellen Flohmarkt Requisiten auch die neuesten Blätter von Antje Vogel zu sehen. Es sind Siebdruck und Tempera-Arbeiten mit strichartig aufgetragenen Farben. Antje Vogel zeigt auch als Malerin eine ausgeprägte Neigung für grafische Reize.

Marionetten, Puppen und andere skurrile Figuren, mit altmeisterlicher Präzision gezeichnet, sind bevorzugte Inhalte dieser phantastisch-naturalistischen Bilderwelt.

Ob sie nicht Lust habe, auch als Bühnenblidnerin zu arbeiten, fragten wir Antje Vogel. „Lust hätte ich schon“, erklärte sie, „aber mein Vater war auf diesem Gebiet eine so ausgeprägte Künstlerpersönlichkeit, daß ich wenig Mut habe, in seine Fußstapfen zu treten. Da bleibe ich lieber bei der Grafik.“


Anfang der 90er Jahre hat Antje Vogel in der Tuckesburg eine kleine Galerie betrieben - und am 5.12.1993 dort eine Ausstellung gehabt, zu deren Eröffnung Frantz Wittkamp gesprochen hat.


Wenn früh die Autos zwitschern (1980)

„Steh auf, Mama. Der Himmel ist blau, die Sonne glänzt, und die Autos zwitschern so schön.“ Mit diesen Worten weckte vor zwei Jahren der kleine Kolja seine Mutter. An diesem Morgen entschloss sich die Malerin Bücher zu schreiben und zu zeichnen - „für Kinder, die so sind wie mein Kolja.“ 

Antje Vogel und Sohn Kolja würden auch bei Karneval in Rio auffallen. In der Provinzhauptstadt Münster, deren Einwohner sich, wie`s scheint, alle noch beim Vornamen kennen, fallen sie gröblichst aus dem Rahmen. Mutter Antje trägt eine türkisfarbenen Jacke, ein gelbes Wollkleid, durchsetzt mit Glitzergarn, dazu blaue Ballettstrümpfe und knallrote Leuchtsöckchen.

Der sechsjährige Sohn Kolja hat sich für einen Strick-Rock entschieden, der in allen Farben schillert, an den Beinen trägt er eine blaue und eine rote Socke und auf dem Kopf eine schwarze Schlägermütze Marke „Mafia-Nachwuchs“. Seine Hand umklammert eine grüne Leine, an der ein seltsames Wesen mit roten Augen zerrt, das ein Bullterrier sein soll, aber eher aussieht wie ein kleines Schwein.

Hinter dem farbenfrohen Trio feixen zwei Teenager in Bluejeans und Parkas her. Ihr freundlichster Zuruf ist noch: „Papageienpack, wohl in den Farbtopf gefallen!“ 

„Ich bin keine graue Maus“, sagt Antje Vogel - und so zeichnet sie auch. In ihren Büchern wird die Tierwelt bunt. 

Antje Vogel kennt diese Reaktionen, fürchtet sie ein wenig, aber weicht keinen Zentimeter von ihrer Überzeugung ab: „Ich bin nun mal keine graue Maus. Ich mag`s halt fröhlich und bunt. Das kann mir keiner verderben.“ Das stört zwar manche ihrer Mitbürger, aber freut den Verleger. Denn so farbenprächtig und eigenwillig wie sich die Künstlerin anzieht (sie strickt und näht die meisten ihrer Kleindungsstücke selbst), so malt sie auch. Und das kommt an. In nur zwei Jahren schrieb und illustrierte sie sechs Kinderbücher, die in Deutschland mehr als 120.000 Mal verkauft wurden - ausserdem aber in Holland, Argentinien, Italien, England, Frankreich, Amerika, Japan und der Schweiz erfolgreich waren. Den Erfolg schafft nicht nur das Talent - in den bunten Kleidern steckt ein nüchterner Preusse, was die Arbeit anbelangt. Da steht neben täglicher Hausarbeit und Kocherei, Strick- und Näharbeit für Ehemann Claus und Sohn Kolja eben auch (mindestens) ein Buch pro Halbjahr auf dem Programm. Antje Vogel: „Eines bereite ich jeweils für die Kinderbuchmesse in Bologna vor, die im Frühjahr stattfindet, das andere für die Frankfurter Buchmesse im Herbst. An die Zeichenarbeit mache ich mich stets so nach acht Uhr, wenn meine beiden Männer müde werden. Und oft sitze ich dann bis drei, vier Uhr morgens über meinen Blättern. Manchmal besucht mich der Claus, beugt sich über die Zeichnungen und sagt auch mal: `Musst du denn an jedem Grashalm eine halbe Stunde lang rumpingeln?` Ich fürchte, ich muss.“

Antje ist zur Pingeligkeit erzogen worden. Die Eltern waren Bühnenbildner am Theater in Münster. Die Malerin: „Als Kleinkinder setzte Vater meine beiden Brüder und mich etwa vor eine Streichholzschachtel und sagte: `Zeichnet mir die so ab, wie sie da liegt.`

Mit der Streichholzschachtel, ich erinnere mich genau daran - hatte ich keine Mühe. Aber einen Kerzenleuchter, den ich später zeichnen sollte, habe ich nie hingekriegt. Schliesslich habe ich ihn aus leuter Verzweiflung in meinen Schrank eingeschlossen.“

Die „heimliche Malerin“ hatte inzwischen eine zweite Ebene gefunden, um sich künstlerisch auszudrücken: die Bühne. Von 1965 bis 1973 arbeitete sie als Schauspielerin und Ballett-Tänzerin der städtischen Bühnen Münster. Zugleich aber folgte des „pflegeleichte Kind“ auch der Anweisung des Vaters: „Gut, tanze und schauspielere, wenn du willst. Aber eine solide Ausbildung, die verlange ich dir ab.“

Antje Vogel gehorchte. Nachmittags und abends probte und spielte sie fürs Theater. Morgens arbeitete sie am Münsteraner Landesmuseum für Naturkunde. Ihre spezielle Ausbildung: Tierpräparatorin. Noch heute steht auf dem Schreibtisch ihres Mannes ein ausgestopftes Eichhörnchen mit Rucksack und Wanderstab in der Hand, hängt in ihrem Zimmer die Kralle eines Karnickels. Museumsdirektorin ist Antje nicht geworden, ebensowenig wie ein Bühnenstar. Aber: „Beide Berufe haben mir Halt gegeben. Ich verlor ein wenig von meiner früher schon fast krankhaften Schüchternheit. Die handwerkliche Arbeit im Museum hat mir Vertrauen gegeben, und auf der Bühne konnte ich aus mir heraustreten, konnte laut schreien, weinen und lachen.“

Immerhin musste Antje Vogel 30 Jahre alt werden, bevor sie sich traute einem Galeristen ihre zeichnerischen Arbeiten zu zeigen, die jahrelang in der Schublade gelegen hatten. Die Künstlerin: „Der Galerist war Claus, der Mann, den ich später geheiratet habe. Ich kannte ihn schon lange vom Sehen, von Besuchen in seiner Galerie. Bei ihm kaufte ich meine ersten Bilder, die noch heute in meinem Arbeitszimmer hängen. Die erste Grafik war ein Vennekamp, hinzu kam ein Burgen-Blatt von Frantz Wittkamp, später noch eine Grafik von Pit Morell. Dann hab` ich mit dem Claus geredet, ihm erzählt das ich male. Er insistierte monatelang, bis ich mich endlich traute, ihm ein paar von meinen Sachen zu zeigen. Ich war schrecklich unsicher, er aber begeistert. Und so kam 1969 meine erste Ausstellung zustande.“

Zehn Bilder verkaufte sie damals. Anstoss genug um weiterzumachen. Bis dann - angeregt durch ihren Sohn - die Arbeit am ersten Kinderbuch begann.

Dieses „Grosse Buch für kleine Gärtner“ war zugleich ihr bislang erfolgreichstes Buch, das allein in Deutschland 50.000mal über die Ladentische ging. Wie in den fünf nachfolgenden Werken gestaltete die Künstlerin ihr Buch von A bis Z selber , schrieb den Text von Hand, gestaltete den Umschlag - und sorgte dafür, dass „die Kinder gleich nach dem Lesen, der Theorie also, in die Praxis gehen können.“ Vorn auf dem Umschlag liess sie in einer Lederschlaufe einen kleinen, goldglänzenden Spaten mit Holzschaft befestigen, auf die letzte Seite des Gärtner-Werkes klebte sie sechs Tütchen mit Petersilie-, Stiefmütterchen-, Möhren-, Gartenkresse-, Radieschen-, und Sonnenblumensamen.

Dieses Gärtnerbuch wir inzwischen sogar in Japan verkauft. Antje Vogel freut sich darüber und sagt: „Für diese Ausgabe habe ich zum erstenmal die Schriftzeichen nicht eigenhändig eingetragen. Das hat eine Japanerin für mich erledigt. Für die anderen ausländischen Ausgaben habe ich auch den text in der jeweiligen Landessprache hineingeschrieben. Denn die Bilder und das Schriftbild gehören für mich zusammen, müssen eine Einheit bilden.“

Dieser Hang zur Perfektion hat die Künstlerin inzwischen viele Arbeitsstunden gekostet. Denn in dichter Reihenfolge erschienen nach dem Gärtnerbuch noch fünf weitere Kinderbücher: „Die Vogelhochzeit“, „Es war einmal ein Pinguin“, Das grosse Buch für kleine Tänzerinnen“, „Das grosse Buch für kleine Skifahrer“ und als letztes Werk aus ihrer Feder „Der Karneval der Tiere“.

Da kommt eine Menge Arbeit bis zum frühen Morgen auf die zierliche Illustratorin zu. Aber schliesslich hat sie selbst gesagt: „Ich kann nicht nur einfach so herumsitzen. Dann werde ich nervös. Meine Hände brauchen etwas zum Stricken oder zum Zeichnen.“ 

Thomas Fröhling (Journalist, 1980)


Kinder lieben Antje Vogel Bücher (1980)

15.02.1980
Igel mit Spaten und Spatz mit Latzhose

Buchhandel verlieh Münsteranerin Preis 
von Margret Deckenbrock 

Münster. In Antje Vogels Büchern haben die Tiere etwas beruhigend Menschliches. Der Igel zeigt, wie man mit Spaten und Schaufel umgeht, der Sperling trägt lustige Ringelstrünpfe, eine geblümte Latzhose und eine karierte Mütze und kann prima Fahrrad fahren. Antje Vogel macht sozusagen Kinderbücher zum Anfassen. Die kleinen Leser können sich mit den Hauptfiguren sofrot anfreunden, die dürfen aber auch mitmachen und Pflanzen großziehne, Federn sammeln und einkleben, Bilder ausmalen oder Kostüme basteln. Das Konzept der Münsteranerin hat sich bewährt: Ihre Bücher haben hohen Auflagen erreicht. 

Antje Steinrötter (40) schreibt und malt unter ihrem Mädchennamen. Als Antje Vogel hatte sie sich schon einen Namen als Malerin gemacht, als 1978 in einem münsterschen Verlag ihr erstes Kinderbuch erschien. Bilder, Texte, Gestaltung, Idee, Einband, alles stammte beim „großen Buch für kleine Gärtner“ aus ihrer Werkstatt. Die Geschichte des Igels, der den Kindern zeigt, wie aus Samen, Pflanzen werden, als Beigabe für jedes Exemplar eine Mini-Schaufel auf dem Umschlag und sechs Samen-Tütchen im Anhang - das fiel aus dem Rahmen und wurde sofort ein Erfolg. „Es war ein echter Glücksfall. Das traf voll in eine Marktlücke“, freut sich Antje Vogel.

Das bis ins Detail liebevoll gestaltete Buch hat mittlerweile in Deutschland die für ein Kinderbuch immnse auflage von 30.000 erreicht. Es wurde ins Holländische und Japanische übersetzt und kommt nun auch in den USA auf den Markt. „Ich finde das für Kinder ein unheimliches Erlebnis, so ein Korn in die Erde zu stecken, und dan kommt dann was heraus“, vermutet Antje Steinrötter als eine Erklärung für den Erfolg. „Wichtig ist auch, daß die Kinder spontan anfangen können, in der ersten Begeisterung.“

Was die Autorin aus eigener Erfahrung und von Sohn Kolja wußte, brachte sie in das Buch ein - und erntete den ungeteilten Beifall der Kinderpsychologen, die vom Igel über die Texte in Schreibschrift bis zur Anleitung zum Mitmachen alles pädagogisch bestens fanden. Was Antje Vogel bei allem Stolz auch ein bißchen amüsiert: „Ich wußte das vorher nämlich alles gar nicht...“

Schon ein halbes Jahr später war das nächste Antje-Vogel-Buch da: die Vogelhochzeit, illustriert mit ausgesprochen dekorativen Bildern. „Das ist eine Erfahrung, die ich auch erst gemacht habe, daß Sachen, die bekannt sind, unheimlich beliebt sind“, geht die Münsteranerin auf den zweiten Erfolg ein. Ihr Konzept war im Grunde unverändert geblieben. Statt Schaufel und Samentüten gab es nun die Bilder im Anhang als lose Blätter fürs Kinderzimmer, statt Pflanzen waren Federsammlung und bunte Kostüme an der Reihe. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels honorierte es mit seinem Preis für die besten Kinderbücher, bei dem aus rund 48.000 Büchern die wertvollsten ausgezeichnet werden - die Vogelhochzeit lag ganz vorn. Und für den Leineneinband gab es einen weiteren Preis.

„Es war einmal ein Pinguin“ wurde, wieder nur ein halbes Jahr später, der nächste Erfolg, und als vierter Kinderbuchhit folgte 1979 auch noch das „Ballettbuch“. Numero fünf, der „karneval der Tiere“ folgt in Kürze. „Wenn die Bücher relativ schnell aufeinander folgen, ist der Name noch da“, begründet Antje Steinrötter ihren Fleiß, und Ideen habe sie mehr als genug. Aber in Zukunft will sie doch „nur“ noch ein Kinderbuch pro Jahr machen.

Mit der Malerei ist die Münsteranerin groß geworden. Der Vater war Maler und Ausstattungsleiter bei Theater, die Mutter Malerin. Die Tochter lernte von Kind an in Sachen Kunst - aber als sie ein Schauspiel- und Ballettausbildung plante und zum Theater wollte, „hat mein Vater das verhindert“. Sie sollte etwas Solides lernen, was sie am Landesmuseum für Naturkunde auch tat. Aus dieser Zeit, aber auch aus der Kindheit rühren die Liebe zur Natur und die Kentnisse. Die Malerei blieb ihr liebstes Hobby - bis Ehemann Claus und dann Sohn Kolja kamen und sie erstmal pausierte.

Heute ist sie unheimlich aktiv: Haushalt und Inder, Handarbeit und Kinderbücher, irgendetwas tut sie immer. „Wenn ich nur so dasitze, werde ich schon nervös.“ Wer rastet der rostet - bei Antje Vogel heißt das „Wenn man nichts tut, fällt einem wohl auch nichts mehr ein.“ Mit dem was sie tut, ist sie zufrieden: „Daß es bei mir so gelaufen ist, ist einfach Glück. Ich mache Bücher, die mir entsprechen, und ich male Bilder, die mir entsprechen. Besser kann es mir doch gar nicht gehen. Eigentlich bin ich sehr dankbar, daß ich so was kann.“



Schon als Kind habe ich wie eine Verrückte gemalt
23.08.1972
Antje Vogel: Phantastischer Naturalismus 
Von Ursula Hecker 

„Einer beim Theater genügt!“ hatte ihr Vater gesagt, als Antje Vogel kundtat, sie wolle Schauspielerin werden. Carl Wilhelm Vogel, über 15 Jahre Bühnenbildner beim münsterschen Theater, konnte allerdings nicht verhindern, daß die Tochter mit dem von ihm ererbten Talent zum Malen und Zeichnen nicht hinter dem Berg hielt. „Ich habe schon als Kind wie eine Verrückte gemalt“, sagt sie. 

Natürlich war der Vater ihr erster Kritiker, und zwar ein so unbarmherziger, daß Antje Vogel eines Tages Pinsel und Zeichenstift aus der Hand legte. Erst vor einigen Jahren fing sie wieder an. Ihr Vater ermutigte sie: Die neuen Arbeiten zeigten unverkennbar, daß die Tochter begabt ist.

Inzwischen gibt es kaum einen Münsteraner, der nicht schon Arbeiten von ihr gesehen hat. Antje Vogel arbeitet nämlich mit besonderem Engagement für die Werbung der Städtischen Bühnen. Ihre Plakate für einzelne Aufführungen und für die Abonnentenwerbung sind ein ebenso originelles wie wirkungsvolles Aushängeschild für das Theater. Ihr neuestes Plakat zeigt einen Mann, genauer gesagt: einen Abonnenten, der im Laufschritt zum Theater eilt. Für weitere Plakate dieser Serie wird ein lustiger Einfall Antje Vogel realisiert. Dann sollen nämlich auch Frau und Kinder des eiligen Abonnenten mitlaufen.

In der Galerie Steinrötter an der Bergstraße sind neben Antiquitäten und originellen Flohmarkt Requisiten auch die neuesten Blätter von Antje Vogel zu sehen. Es sind Siebdruck und Tempera-Arbeiten mit strichartig aufgetragenen Farben. Antje Vogel zeigt auch als Malerin eine ausgeprägte Neigung für grafische Reize.

Marionetten, Puppen und andere skurrile Figuren, mit altmeisterlicher Präzision gezeichnet, sind bevorzugte Inhalte dieser phantastisch-naturalistischen Bilderwelt.

Ob sie nicht Lust habe, auch als Bühnenblidnerin zu arbeiten, fragten wir Antje Vogel. „Lust hätte ich schon“, erklärte sie, „aber mein Vater war auf diesem Gebiet eine so ausgeprägte Künstlerpersönlichkeit, daß ich wenig Mut habe, in seine Fußstapfen zu treten. Da bleibe ich lieber bei der Grafik.“


Aufschwung für Antje Vogel (1972)
12.01.1972 
Künstlerin findet zunehmend Beachtung
von Bernd Behr 

„Von wem stammt das hübsche bunte Fledermaus-Plakat?“ Die großen handgemachten Werbebilder in Theater-Schaukästen an der Neubrückenstraße bewirkten viele neugierige Anfragen. Chefdramaturg Dr. Lorenz: „Die Grafikerin Antje Vogel ist unsere ganz spezielle Entdeckung!“ 

Antje Vogel: „Die freie Mitarbeit kam rein zufällig zustande. Genau genommen bin ich aber auf einen Pfad geraten, der recht nahe am Weg meines Vaters vorbeiführt. Er war fünfzehn Jahre lang Ausstattungsleiter an den Städtischen Bühnen.“

Der Vater ist es auch gewesen, der die zeichnerisch begabte Tochter schon von klein auf systematisch als Ausbilder betreute. „Andererseits“, lächelt die körperlich zierliche Person, „legte er großen Wert darauf, daß ich einen ordentlichen Beruf erlernte. Und während ich für einige Wochen im Ausland weilte, hat er mich kurzerhand ans Landesmuseum verschaukelt - als Präparatorin.“

Anfänglich war sie darüber nicht eben glücklich. „Inzwischen habe ich jedoch erkannt, daß ich duch den Umgang mit Pflanzen und Tieren manches für mein Pinsel-und-Farbe-Hobby profitierte, immerhin...“

Immerhin - die 32-jährige Münsteranerin wird als Bildproduzentin in Fachkreisen auch außerhalb ihrer Heimatstadt mehr und mehr beachtet. Die handwerklich mit Sorgfalt gestalteten, skurril-realistischen Motive haben genügend Eigenes, um hinreichend aufzufallen. „In einer Duisburger Ausstellung hat man mir sogar die Ehre angetan, mich in nächster Nähe von Chagall und einigen anderen Bedeutenden aufzuhängen.“

Einzelausstellungen hatte sie in Münster und Krefeld. Für diesen Februar ist sie nach Dinslaken vergeben. „Und zwischendurch - Theater. Klar das mir das Spass macht“, sagt die Künstlerin. „So sind wir jetzt schon dabei, die Werbekampagne für die kommende Saison auszuknobeln. Ich glaube, daß da etwas durchaus Besonderes zustande kommt.“


(Foto: www.martina-leymann.de)





Foto: Natalie Moncorps